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Zwischen Gipfeln und Mitternachtssonne

Lofoten – Natur, Freiheit und Wanderungen, die bleiben
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Filialleiterin Kuoni Herisau

Serafina Zill

Seit über sechs Jahren berät Serafina Zill die Kuoni-Kundschaft bei der Planung ihrer Traumreisen und entdeckt dabei immer wieder neue Destinationen. Besonders Norwegen mit seiner wilden Natur, den Bergen und Fjorden hat es ihr angetan. Auch Botswana und Argentinien gehören zu ihren persönlichen Reisefavoriten. 

Manche Reisen bleiben lange in Erinnerung. Und dann gibt es Reisen, die sich irgendwo tief im Herzen festsetzen. Für mich gehören die Lofoten definitiv dazu. Vielleicht, weil jeder Tag anders war. Vielleicht wegen der unglaublichen Natur. Oder vielleicht einfach, weil sich dort alles ein wenig leichter anfühlt.

Schon bei unserer Ankunft in Tromsø lag diese besondere Vorfreude in der Luft. Camper übernehmen, Lebensmittel einkaufen und einfach losfahren; ohne strikten Zeitplan, dafür mit einer Woche voller Abenteuer vor uns. Unser erstes Ziel war Senja – nach Hinnøya die zweitgrösste Insel Norwegens. Bereits die Fahrt dorthin zeigte, was uns in den kommenden Tagen erwarten würde: schneebedeckte Berge, glitzernde Fjorde, kleine Fischerdörfer und Landschaften, bei denen man am liebsten alle paar Kilometer anhalten möchte.

Obwohl wir erst am Abend ankamen, zog es uns direkt noch auf den 556 Meter hohen Berg Hesten. Und genau dort wurde uns zum ersten Mal bewusst, wie besonders der norwegische Sommer ist. Es war bereits nach 22 Uhr, doch die Sonne stand noch immer tief am Himmel und tauchte die Landschaft in warmes, goldenes Licht.

Wilde Inseln, türkises Wasser

Am nächsten Morgen führte uns die Reise weiter Richtung Lofoten. Allein die Fahrt war ein Erlebnis. Über Brücken und vorbei an unzähligen kleinen Buchten wurde die Aussicht hinter jeder Kurve noch schöner. Zwischendurch gab es immer wieder kleine Stopps, meistens für einen Kaffee und eine Zimtschnecke, die nach kurzer Zeit ebenso fixer Bestandteil unserer Reise wurden wie die Wanderungen und Fotostopps. 

In Svolvær angekommen, schnürten wir erneut die Wanderschuhe und machten uns auf den Weg Richtung Fløya und Djevelporten. Oben angekommen eröffnete sich ein Blick über die wilde Inselwelt, der fast unwirklich wirkte.

Der nächste Vormittag steht ganz im Zeichen des Fischerdorfs Henningsvær. Kleine Holzhäuser, gemütliche Cafés, herzige Läden und der Duft von frischem Kaffee. Der perfekte Ort, um einfach ein wenig durch die Strassen zu schlendern und den Tag langsam zu beginnen.

Anschliessend ging es weiter auf den Mannen. Von oben hatten wir eine wunderbare Aussicht auf weisse Sandstrände und türkisfarbenes Wasser, das man eher in der Karibik als nördlich des Polarkreises erwarten würde. Dass das Wasser eiskalt war, spielte für uns nach der Wanderung keine Rolle mehr. Ein kurzer Sprung ins Meer gehörte einfach dazu, auch wenn die Überwindung deutlich grösser war als der eigentliche Sprung.

Den Abend verbrachten wir am Haukland Beach. Während Schafe friedlich direkt am Meer grasten und die Sonne einfach nicht untergehen wollte, sassen wir am Strand und konnten kaum glauben, wie schön dieser Ort war. Die Mitternachtssonne ist schwer zu beschreiben. Man muss sie einfach erleben. Dieses weiche Licht verleiht allem eine fast magische Stimmung und lässt die Zeit völlig nebensächlich werden.

Zimtschnecken & Wanderlust

Je weiter wir Richtung Süden fuhren, desto dramatischer wurden die Landschaften. Reine ist wohl einer der bekanntesten Orte der Lofoten und übertraf trotzdem jede Erwartung. Vor dem Marsch auf den Reinebringen stärkten wir uns selbstverständlich wieder mit Kaffee und Cinnamon Buns.

Nach exakt 2000 Treppenstufen oben angekommen, lag die wohl berühmteste Aussicht Norwegens vor uns: tiefblaue Fjorde, rote Fischerhütten und Berggipfel, die direkt aus dem Meer emporragen. Einer dieser Ausblicke, bei denen man einfach stehen bleibt und versucht, jeden einzelnen Moment bewusst aufzusaugen. Den Abend verbrachten wir ganz entspannt auf einem Stellplatz in Moskenes.

Am nächsten Morgen besuchten wir Å, das südlichste Fischerdorf der Lofoten. Die kleinen roten Häuser, die Geschichte des Fischfangs und die Dorfbäckerei verleihen dem Ort einen ganz besonderen Charme. Und drei Mal dürfen Sie raten, was wir auch hier wieder mitgenommen haben... Cinnamon Buns.

Wenig später folgte die nächste Wanderung: diesmal zum Kvalvika Beach. Der Strand ist nur zu Fuss erreichbar und genau das macht ihn so besonders. Nach dem letzten Anstieg öffnet sich der Blick auf einen riesigen, einsamen Sandstrand, eingerahmt von steilen Bergen und dem offenen Nordmeer. Wir breiteten unser Picknick aus, assen frische Lachsbrötchen und genossen einfach den Moment.

Die Nacht verbrachten wir anschliessend im Lofoten Beach Camp – einem Ort, an den ich sofort zurückkehren würde. Direkt am Meer, umgeben von Bergen und erneut begleitet von der Mitternachtssonne, fühlte sich alles unglaublich friedlich an.

Vom Gipfel in die Stadt

Nach einem gemütlichen Morgenkaffee stand mit dem Offersøykammen bereits die nächste Wanderung auf dem Programm. Obwohl wir in den vergangenen Tagen bereits einige Gipfel bestiegen hatten, überraschte uns dieser nochmals völlig. Das 360-Grad-Panorama über die Lofoten war schlicht atemberaubend und gehört bis heute zu meinen schönsten Wandererlebnissen überhaupt. Langsam hiess es Abschied nehmen. Noch am selben Abend verliessen wir die Inselgruppe Richtung Narvik und verbrachten unsere letzte Campernacht direkt am Fjord.

Am nächsten Morgen führte uns die Strasse zurück nach Tromsø. Nach der Rückgabe unseres Campers erkundeten wir die Stadt zu Fuss. Tromsø hat mich sofort begeistert: gemütliche Cafés, kleine Boutiquen, entspannte Stimmung und richtig gutes Essen. Natürlich probierten wir noch die berühmten Hotdogs – und gönnten uns zum allerletzten Mal eine Zimtschnecke. Den letzten Abend verbrachten wir am Wasser. Die Sonne stand auch jetzt noch hoch am Himmel und tauchte die Stadt in dieses warme Licht, das uns die ganze Woche begleitet hatte. Es war einer dieser Abschiede, bei denen man sich schon sicher ist, dass man irgendwann wieder zurückkommen wird.

Süsser Sehnsuchtsort

Wenn mich heute jemand fragt, was die Lofoten so besonders macht, denke ich nicht zuerst an einzelne Wanderungen oder bekannte Aussichtspunkte. Ich denke an das besondere Gefühl. An die Freiheit, einfach mit dem Camper loszufahren. An die Ruhe auf den Bergen. An das Licht der Mitternachtssonne. An einsame Strände, gemütliche Abende und schöne Momente draussen in der Natur.

Und vielleicht auch ein kleines bisschen an Cinnamon Buns. Denn irgendwie schmecken sie nirgends so gut wie im Hohen Norden.

Text & Bilder: Serafina Zill

Erstveröffentlichung: August 2026