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Fünf Tage an Bord des grössten Kreuzfahrtschiffs der Welt.
Man liest die Zahlen vorher, und trotzdem ist man nicht vorbereitet. Als die Legend of the Seas zum ersten Mal vor uns lag, wirkte sie weniger wie ein Schiff als wie ein Stadtteil, der beschlossen hat, in See zu stechen. Vorne die gläserne Kuppel, hinten bunte Wasserrutschen, dazwischen Balkon an Balkon.
Das Hellblau des Rumpfs leuchtet in der Mittelmeersonne, der Schriftzug «Legend of the Seas» zieht sich über die halbe Bordwand. Spätestens beim ersten Blick vom Tenderboot nach oben war klar: Das wird keine gewöhnliche Studienreise.
Conrad Schuck, Travel Expert bei Kuoni Cruises
Vom 16. bis 20. August 2026 war ich mit meinem Kollegen Paco an Bord, auf der grossen EMEA-Studienreise der Royal Caribbean Group. Mit uns reisten über 500 Travel Agents aus ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Selten hatte man so viel Branchenwissen auf so wenig Quadratmetern – auch wenn es auf diesem Schiff erstaunlich viele Quadratmeter gibt.
Das Programm war klug aufgebaut. An zwei Vormittagen gab es Schulungen zum Produkt, nachmittags und abends haben wir das Gelernte direkt an Bord erlebt. Theorie am Morgen, Praxis am Pool – eine Kombination, die man sich für jede Weiterbildung wünscht.
Unsere Route in Kürze:
Besonders eindrücklich: der Landgang per Tender in La Spezia. Neben dem riesigen hellblauen Rumpf wirkt das Tenderboot wie ein Spielzeug. Der Transfer lief trotzdem ruhig und gut organisiert, gesteuert über die App. So blieb am Vormittag genug Zeit für den Schiefen Turm von Pisa, und am Nachmittag waren wir zurück an Bord – bereit für die Wasserrutschen.
Die Legend of the Seas ist das dritte Schiff der Icon-Klasse und zusammen mit ihren Schwestern das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt. Sie ist erst seit Juli 2026 unterwegs – wir waren also in der allerersten Saison an Bord.
Merkmal | Wert |
Grösse | rund 250'000 BRZ |
Länge | rund 365 m |
Gästedecks | 18 |
Gäste (Doppelbelegung / maximal) | 5'610 / 7'600 |
Kabinen | 2'805 |
Crew | über 2'300 |
Antrieb | Flüssigerdgas (LNG) |
Werft | Meyer Turku, Finnland |
Ablieferung / Jungfernfahrt | 10. Juni 2026 / 4. Juli 2026 |
Die Legend ist in Nachbarschaften – sogenannte Neighborhoods – aufgeteilt, und jede fühlt sich an wie ein eigener Ferienort. Wer hier ein paar Tage verbringt, hat am Ende das Gefühl, mehrere Ferien in einer erlebt zu haben.
Surfside: das Familienparadies
Ganz hinten liegt Surfside, und von oben sieht es aus wie eine bunte Strandpromenade zwischen zwei Kabinentürmen. Karussell, Kinderpool, Snackstände und darüber die Wasserrutschen. Durch den offenen Bogen am Heck blitzt das Meer. Für Familien mit kleinen Kindern ist das der Verkaufsschlager.
Central Park: der Garten mitten im Schiff
Abends wird es im Central Park still und stimmungsvoll. Echte Bäume und Pflanzen, warmes Licht, Restaurants unter freiem Himmel – und rundherum die farbigen Fensterläden der Parkkabinen. Man vergisst hier tatsächlich, dass man auf See ist.
Pools und Chill Island
Oben auf dem Pooldeck ragen die zwei markanten Schornsteine in den blauen Himmel, darunter Liegen, Pools und Bars. Am Infinity-Pool steht man am Wasserrand und schaut direkt aufs offene Meer. Wer Ruhe sucht, mietet sich eine der bunten Casitas – eine private Lounge mit Liegen und Blick auf die Küste.
Sport und Action
Für Aktive gibt es einen knallbunten Sportplatz unter Netzen, mit Basketballkorb und Hockeytoren, dazu eine Kletterwand mit Blick übers Deck. Gleich daneben liegt Thrill Island mit dem laut Royal Caribbean grössten Wasserpark auf See.
Royal Promenade: Partystimmung
Auf der Royal Promenade spielt sich das Abendleben ab. Zur Eröffnungssaison hingen Tausende Ballons unter der Decke und warteten auf den grossen Ballon-Drop – dazu Livemusik, volle Galerien und Partystimmung bis spät.
Das Hauptrestaurant ist ein Erlebnis für sich. Über mehrere Etagen hängt ein gewaltiger Kronleuchter aus Glas- und Goldgliedern, darunter weisse Tischdecken, Samtstühle in Petrol und ein Teppich in Meeresblau. Das Essen war auf gutem Niveau, etwa Riesengarnelen mit Reis und Gemüse oder eine samtige Kürbissuppe.
Dazu kommen Spezialitätenrestaurants, die AquaDome-Markthalle mit Streetfood und unzählige Bars. Neu auf der Legend sind unter anderem der Hollywoodland Supper Club im Glamour der 1930er- bis 50er-Jahre und das Erlebnis-Dinner Royal Railway – Legend Station.
Das Highlight im Theater ist das Musical «Charlie and the Chocolate Factory» nach Roald Dahl, neu auf der Legend. Die Bühne verwandelt sich mit riesigen LED-Wänden in eine englische Kleinstadt mit der Fabrik am Horizont. Das Ensemble tanzt, singt und spielt auf einem Niveau, das man eher im Londoner West End erwarten würde.
Gänsehaut gab es beim gläsernen Aufzug, der über den Köpfen des Publikums schwebt, umgeben von einem Sternenhimmel. Daneben stehen «America's Got Talent LIVE at Sea», die Show «Shockwave» und eine Eisshow auf dem Programm. Unser Tipp für Kunden: Shows früh über die App reservieren.
Die Balkonkabinen sind modern und freundlich eingerichtet: helles Holz, beige Töne mit Akzenten in Petrol, ein Schreibtisch, ein Sofa und bodentiefe Fenster zum Balkon. Viel Stauraum gibt es auch – der Kleiderschrank reicht problemlos für eine ganze Woche.
Für Familien und Gruppen ideal sind die Verbindungskabinen. Zwei Kabinen teilen sich einen Vorraum, so haben Eltern und Kinder ihren eigenen Bereich und sind trotzdem zusammen.
Und ja, auch das Klassiker-Detail fehlt nicht: Am Abend wartete ein Handtuch-Äffchen am Kleiderbügel.
Die Legend of the Seas ist kein Transportmittel zwischen Häfen – sie ist selbst das Ziel. In fünf Tagen haben Paco und ich Barcelona, einen Seetag, Pisa und Rom erlebt und trotzdem längst nicht alles an Bord gesehen. Genau das macht Lust auf mehr.
Mein persönlicher Moment: am frühen Nachmittag auf dem Tenderboot zurück zum Schiff, die Sonne hoch über dem Golf von La Spezia, und vor uns dieser hellblaue Riese. Kein Sonnenuntergang, aber trotzdem ein tolles Erlebnis. Wer das einmal gesehen hat, versteht, warum diese Reise sich so leicht verkaufen lässt.
Lassen Sie sich von uns beraten - Herzlichst, Ihr Conrad Schuck
Erfasst am 13.10.2026
Text: Conrad Schuck, Kuoni Cruises
Bilder: Conrad Schuck