FÜNF STERNE AUF SCHIENEN: ENTSCHLEUNIGUNG IM ROCKY MOUNTAINEER

Eine etwas andere Zugfahrt von Vancouver nach Jasper

« Die Reise mit dem Zug entschleunigt — ich fühle mich total entspannt, kann alles, was draussen passiert, ohne Ablenkung einsaugen und werde ganz nebenbei von einem hervorragenden Servicepersonal bis über beide Ohren verwöhnt. »

 - Kathrine Rolli 


Reisende

Kathrine Rolli

Kathrine Rolli’s grösste Leidenschaften haben viel mit fremden Ländern zu tun: das Meer durch eine Taucherbrille erforschen und fremde Kulturen kennenlernen, exotische Gerüche riechen, ungewöhnliches Essen geniessen oder Sprachen lernen. Mit total vier Jahren Reiseerfahrung — sich über Wasser haltend mit kleineren Jobs hie und da — ist sie seit 2008 für railtour suisse tätig. Bis 2013 machte sie den Einkauf für Städte sowie Südtirol und ist seither für die Spezialreisen tätig.

Gleichmässiges Rattern erfüllt die Umgebung um mich herum — Metall auf Metall, Rad auf Schiene. Der Zug verlangsamt sich, die Reiseleiterin spricht ins Mikrofon. Ich drücke meine Nase an das Panoramafenster rechts neben mir und spüre die kalte kanadische Luft von draussen durch das Glas auf meiner Haut. Durch meinen Atem läuft die Scheibe an — wie ein Kind zeichne ich darin ein Muster: das Panorama der an mir vorbeiziehenden kanadischen Berge. 

Es ist April und ich sitze im Rocky Mountaineer-Zug, der mich in zwei Tagen von Vancouver nach Jasper bringt und sich in dieser Zeit durch die eindrucksvolle Kulisse der kanadischen Rocky Mountains schlängelt. Nachdem die Skyline von Vancouver am frühen Morgen langsam am Horizont verschwindet, taucht der Zug in die ewigen Weiten Kanadas ein. Hinein in Wälder, über Flüsse und Canyons hinweg, entlang kleiner Seen, am Horizont ab und an verschneite Riesen im Blick. Die Strecke des Zugs ist historisch gesehen interessant: die ersten Pioniere erforschten hier entlang das neue Terrain. 

Kurz nach dem Start wird auch schon das Frühstück serviert — in der GoldLeaf-Klasse werden die Mahlzeiten im unteren Stock des Wagens eingenommen, in den SilverLeaf-Wagen hingegen isst man am Platz. In zwei Schichten wird den GoldLeaf-Gästen das Essen aufgetischt — frisch zubereitet von drei Köchen in den erstaunlich kleinen Küchen, von denen jeder Wagen des Rocky Mountaineers eine eigene besitzt. Die Mahlzeiten sind stets typisch kanadisch und werden bevorzugt aus Produkten aus der Region hergestellt. Da ich alleine unterwegs bin, setze ich mich ich zu einem jungen Pärchen auf Honeymoon und einer älteren Dame an den Tisch. Nach zwei Tagen werde ich diese mir jetzt noch fremden Personen als Freunde bezeichnen — da man von morgens bis abends zusammen im gleichen Wagen sitzt, zusammen isst und Erlebnisse teilt, bildet sich schnell ein Gemeinschaftsgefühl. Es stellt sich heraus, dass ich die einzige Europäerin bin in diesem Gold Leaf-Wagen. Erstaunlich viele Australier begleiten mich nach Jasper, so auch das junge, frisch verheiratete Paar. Die ältere Dame ist Kanadierin und erfüllt sich mit dieser Reise einen lang gehegten Traum. 

Nach dem Frühstück das erste Highlight: Hells Gate taucht auf — eine Enge des Fraser River, durch die mehr Wasser pro Minute fliesst als bei den Niagara-Fällen. Der Name rührt vom Entdecker Simon Fraser her, der im Jahr 1808 diese enge Wasserstrasse beschrieb als «... a place where no human should venture, for surely these are the gates of hell.» Danach überrascht mich der restliche Tag mit der abwechslungsreichen Natur Kanadas: Wir fahren durch üppig grüne Felder, sichten erste schneebedeckte Berge und finden uns in einer Art Halbwüste wieder — die Avalanche Alley und der Rainbow Canyon, wo sich die Steinmassen in den unterschiedlichsten Farben präsentieren. Dann spiegeln sich die vereinzelten weissen Wolken am Himmel plötzlich im tiefen Blau eines grossen Sees — des Kamloops Lake. Der Zug folgt dem Verlauf des Sees bis nach Kamloops, einer kleineren Stadt, in deren Bahnhof unser erster Tag dieses Abenteuers im Zug endet. 

In Kamloops übernachte ich in einem Hotel, alles ist organisiert, ich muss nichts tun und kann vollkommen geniessen. Am nächsten Morgen geht es zusammen mit den anderen Gästen erneut an den Bahnhof, wo sich unsere Reise mit dem Rocky Mountaineer bis nach Jasper fortsetzt. Nach einem herrlichen Frühstück aus Lachs und Eiern schnappe ich etwas frische Luft auf der Aussenplattform, von der es am Ende des Wagens eine gibt. Von hier aus lässt sich die Natur noch besser beobachten, Tiere sichten und vor allem ohne dass ein Fenster die Sicht blockiert, fotografieren. An diesem Morgen muss ich eine dicke Jacke anziehen, wir haben an Höhenmetern gewonnen und es ist kalt geworden. Auf einmal stürmen meine australischen Weggefährten hell begeistert zu mir auf die Plattform — es schneit. 

Die Reise mit dem Zug entschleunigt — ich fühle mich total entspannt, kann alles, was draussen passiert, ohne Ablenkung einsaugen und werde ganz nebenbei von einem hervorragenden Servicepersonal bis über beide Ohren verwöhnt. Und dann endlich: Postkartenmotive breiten sich aus. Vor den Fenstern des Rocky Mountaineers türmt sich ein schneebedeckter Gipfel neben dem anderen. Dunkelgrüne Wälder umgeben die Berge, welche nur noch hie und da von mit dünnen Eisschichten überzogenen Seen gelichtet werden. Wir sind nun in der Provinz Alberta angekommen, mitten in den kanadischen Rockies. 

Im Jasper National Park ist Endstation für unseren Zug. Es heisst Abschied nehmen von meiner neuen multikulturellen Familie, mit der ich das Zugfahren von einer ganz anderen Seite kennenlernen durfte. Für mich geht es von hier aus mit einem Car weiter über den eindrucksvollen Icefields Parkway nach Lake Louise, Banff und anschliessend nach Calgary. 

Aufgezeichnet von: Jessica Feustle
Fotos: Kathrine Rolli, ©Rocky Mountaineer

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