Dominikanische Republik: Mehr als Traumstrände und Rum-Cola

Authentisch karibisches Lebensgefühl

Autor

Christian Haueter

Christian Haueter floh nach einem Publizistik-Studium in Zürich vor dem europäischen Klima nach Rio de Janeiro, wo er einen MBA in Digital Marketing absolviert. Die Faszination für fremde Sprachen und Kulturen, das Reisen und das Leben in anderen Ländern wärmt ihn nun fast genau so wie die brasilianische Temperaturen. 

Auf Autorundreise in der Dominikanischen Republik

Wer sich ausserhalb der All-Inclusive Hotelkomplexe wagt, erlebt ein kontrastreiches Land und authentisch karibisches Lebensgefühl: Vorwiegend berühmt für ihre schneeweissen Sandstrände, fasziniert die Dominikanische Republik bei genauerer Betrachtung durch spannende Kontraste und vielerlei Sehenswürdigkeiten. Welten trennen die riesigen Touristenressorts von den verschlafenen Dörfern, die Palmenstrände von den Tropenwäldern im Landesinnern. Wir erkunden die Karibikinsel mit dem Mietauto und begeben uns auf einen Abenteuertrip an die unterschiedlichsten Orte: zum menschenleeren Strand im Naturschutzgebiet, auf dem Maultier zum Gebirgswasserfall oder zu Fuss durch die koloniale Altstadt. Die Reise führt entlang atemberaubender Panoramastrassen direkt am Meer, durch Kaffee- und Bananenplantagen und über üppig bewachsene Hügel. Alles läuft perfekt – bis das GPS ausfällt. 

Die Schranke hebt sich und der Minivan passiert das Eingangstor. Vorbei an gepflegten Golfgreens, Tennisplätzen und üppigen Gärten erreichen wir nach mehreren Minuten Fahrt die luftige, unter einem Palmendach gelegene Hotellobby aus Tropenholz. Im Zimmer erwartet uns ein Jacuzzi auf dem Balkon und die Aussicht auf den palmengesäumten Strand.

Etwas Luxus kann nicht schaden, bevor wir die Dominikanische Republik mit dem Auto erkunden. All-Inclusive lautet das Stichwort und ist die bevorzugte Reiseart unter den Ferienreisenden auf dieser Insel. Schnell wird mir klar, warum viele den Hotelkomplex gar nie verlassen: Die Anlage ist so gross, dass eine Art Bähnchen die verschiedenen Bereiche innerhalb des Ressorts verbindet. In unserem 5*-Hotel namens Grand Palladium hat es mehrheitlich Nordamerikaner, Spanier und Südamerikaner. 40% aller Touristen zieht es hierhin nach Punta Cana, ganz im Osten der «Dom Rep». Der Grund ist schnee- oder perlweiss, puderfein und kristallin: die Adjektive, welche den Sand vor unseren Füssen beschreiben sind zahlreich und doch werden sie der atemberaubenden Wirklichkeit nicht gerecht. Im Wind wehende Palmen und das türkisfarbene Wasser krönen den Postkartenstrand. Eine perfekte Ferienwelt.

Doch wir wollen mehr...

Ein paar Tage und einige Piña Coladas in der Swim-In-Poolbar später geht's los. «Ok Jungs, hier sind die Autoschlüssel. Liefert Euch keine Rennen mit Einheimischen, fahrt nie nachts (Schlaglöcher, Tiere) und haltet den Tank stets voll», gibt uns der Autovermieter Adriano einige Tipps auf den Weg.
 

« Auf Strassenschilder ist kein Verlass, am besten haltet ihr euch ans GPS! »

Etwas eingeschüchtert fahren wir los

Am Strassenrand findet ein reges Treiben statt: Fussgänger, Verkaufsstände sowie entgegenkommende Velos und Motorräder sorgen anfangs für Irritation, doch bald haben wir uns daran gewöhnt. Auf dem Weg zu unserem ersten Stop Bayahibe im Süden der Insel passieren wir Kaffee- und Bananenplantagen, Äcker und kleinere Dörfer. Alles läuft perfekt – bis das GPS ausfällt. Und jetzt? Unsere Strasse ist auf der Karte nicht eingetragen... Wir beschliessen, einfach mal weiter zu fahren und die nächste Person zu fragen. Nur ist da niemand. Nach 30 Minuten Blindfahrt funktioniert das GPS plötzlich wieder – und zeigt an, dass wir in die falsche Richtung gefahren sind...

Bayahibe ist ein verschlafenes, sympathisches Fischerdorf. Wie die meisten Besucher wollen wir von hier zur Insel Saona gelangen, welche in einem Nationalpark liegt und berühmt ist für ihre menschenleeren Strände mit glasklarem Wasser. Die Stimmung auf unserem Katamaran entspricht jedoch weniger einer Naturexpedition als vielmehr einem Partyschiff. Der einheimische Rum geniesst international einen hervorragenden Ruf und wird entweder mit Eis oder als Drink serviert. Hier an Bord fliesst der Brugal, eine der bekanntesten Marken, schon am Vormittag in Strömen, während eine Gruppe Tänzerinnen zu pumpendem Sound für Stimmung sorgt.

Plötzlich verstummt die Musik und alle stürmen zum Bug des Bootes: 

« Buckelwale! Dort links! »

In etwa 100 Metern Entfernung springen zwei dieser faszinierenden Tiere aus dem Wasser und lassen sich rücklings wieder fallen. Kraftvoll und ästhetisch zugleich. Was für ein Glück wir haben, die Wale in Küstennähe anzutreffen, ist die Paarungszeit doch eigentlich seit ein paar Wochen vorbei. 

Auf dem Maultier über Flussbette und durch tropische Wälder

Unser nächstes Ziel ist Las Terrenas auf der Halbinsel Samaná. Kurz vor der Hauptstadt Santo Domingo biegen wir nach Norden ab und nehmen die neue und topmoderne Autobahn quer durchs Landesinnere. Einzelne Autowracks am Strassenrand mahnen uns, nicht allzu schnell zu fahren. Zahlreiche Hügel formen die Landschaft und bieten malerische Aussichten auf das üppige, grüne Hinterland. Kurz vor Las Terrenas wird die Strasse sogar richtig steil, dafür werden wir oben mit einem herrlichen Ausblick bis zum Meer belohnt. Unten im Städtchen angekommen, mieten wir ein Apartment in einem der vielen Hotelitos nahe des Strandes mit weissem Korallensand. 

 

Die Hauptsehenswürdigkeit der Region ist der Salto El Limon, ein 30 m hoher Wasserfall im Hochland von Samaná. Nicht minder attraktiv ist der Weg dorthin: auf einem Maultier sitzend, waten wir über Flussbette, wandern auf matschigen Wegen und durch tropische Wälder. Sprichwörtlich über Stock und Stein. Mehrmals habe ich Angst, dass mein Muli einknickt, so unwegsam ist der Pfad. Doch unser Guide beruhigt mich: dies sei die natürliche Umgebung der Tiere. Für das letzte Stück lassen wir die Maultiere zurück und wandern zu Fuss bergauf. Endlich angekommen, springen wir ins erfrischende Nass, nehmen eine Dusche im sprudelnden Wasser des Wasserfalls und geniessen die Aussicht ins Tal. 

Am Strand von Las Terrenas lernen wir Sergio kennen. Er läuft den Strand entlang und verkauft selbstgebrannte CDs: «Kennt ihr Bachata, Merengue und Dembow? All diese Musikstile kommen ursprünglich von hier! Von Künstlern wie Zacharias Ferreria, Sergio Vargas oder Omega el Fuerte  – ich habe die beste Musik des Landes», unterbreitet er uns stolz sein Angebot. Dembow ist seit ein paar Jahren der nationale Renner: ein dem Reggaeton ähnlicher Musikstil mit viel Bass und Rhythmus, äusserst tanzbar. Natürlich lassen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen und decken uns mit der neusten Musik ein. Einige Lieder kannte ich schon vom Hören – egal wo wir auf dieser Insel hinkommen, irgendwo läuft immer ein Radio oder eine Stereoanlage.  
El salto del Limón
So ausgerüstet, machen wir uns auf den Weg weiter nördlich, Richtung Cabarete. Nur durch eine Palmenallee vom Strand getrennt, ist die Fahrt auf der Strasse dorthin etwas vom eindrücklichsten unserer bisherigen Reise. Cabarete selbst ist aufgrund des stetigen Windes ein Mekka für Kite- und Windsurfer. Und diese wissen die Feste zu feiern: nachts verwandelt sich die Strandpromenade in eine Bühne für Nachtschwärmer. 

Uns packt der Hunger. Als Abwechslung zu den traditionellen dominikanischen Gerichten (Rindfleisch, Poulet oder Meeresfrüchte zusammen mit Maniok, Süsskartoffeln, Tomaten und Peperoni) besuchen wir das von einem Franzosen geführte Restaurant «Otra Cosa» etwas ausserhalb, direkt am Meer. Warmer Ziegenkäse und Lachstartar gehören zu den Spezialitäten und die Aussicht ist unbezahlbar. 

Quer durch den dominikanischen Alltag

Gesättigt von all den Stränden fahren wir heute südwärts ins Landesinnere, hinauf bis nach Jarabacoa auf 600 M.ü.M. Ein Trip quer durch den dominikanischen Alltag: Kinder in Schuluniformen, Rentner auf der Veranda vor den Häusern, geschäftiges Treiben in den Ortszentren der Städte, welche wir passieren.  

Jarabacoa liegt in einer Gebirgslandschaft und besitzt ein spürbar kühleres Klima. Grosse Weiden, Ranches und Nadelwälder zeichnen die Gegend aus, welche sich optimal für Wanderungen eignet, zum Beispiel auf den Pico Duarte, den mit 3000 Metern höchsten Berg der Karibik. Das ist uns etwas zu anstrengend und wir nehmen mit einem Ausflug zum 60-Meter-Wasserfall Salto Jimenoa Vorlieb. Dessen pittoreske Lage im steilen Gefälle der grünen Gebirgswälder wurde als Eingangsszene des Filmes «Jurassic Park» benutzt. 

Langsam neigt sich die Rundreise dem Ende zu. Doch vor dem Heimflug von Punta Cana legen wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Santo Domingo ein. Die 1498 als erste von Europäern gegründete Stadt des amerikanischen Kontinents ist das urbane Zentrum des Landes, voller karibischem Charme und quirligem Alltagsleben. Ein pulsierender Moloch, wie ich unschwer feststelle, als wir Eingangs Stadtzentrum in einem längeren Stau steckenbleiben. Die historische Altstadt «Zona Colonial» liegt etwas erhöht nahe dem Meerufer. Prachtvolle Kolonialbauten wie die älteste Kathedrale der «neuen Welt» oder der Gouverneurspalast lassen uns die geschichtsträchtige Vergangenheit  spüren. 

Das Erkunden macht hungrig: Gleich hinter dem «Parque Colón» und dem berühmten bronzenen Denkmal von Christoph Kolumbus entdecken wir eine kleine Ceviche-Bar mit verschiedenen, vorzüglich zubereiteten Fischsorten an erfrischend-würziger Limettensauce. Gerne würde ich noch etwas länger bleiben, doch mittlerweile haben sich über uns dunkle Wolken zusammengebraut. Zeit, zu gehen. Sobald wir auf der Autobahn Richtung Flughafen sind, entlädt sich ein kurzes aber heftiges Tropengewitter, welches uns vor lauter Wassermassen kaum durch die Windschutzscheibe sehen lässt. Regen, eine passende Vorbereitung für unsere Rückkehr in die Schweiz.

Fotos: DER Touristik Suisse AG

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