Mit einem Glas Rioja in der Hand

Ausflüge in die Vergangenheit und Gegenwart des spanischen Weines

Autorin

Shirley-Ann Amberg

Nach Abstechern als Model in den Metropolen Mailand und Kapstadt, überdies einigen Jahren im Controlling einer Grossbank, machte Shirley-Ann Amberg ihre Leidenschaft zum Beruf und absolvierte die Ausbildung als Sommelière am Zürichsee, wo sie auch geboren wurde. Neben Wine&Dines und Weinkursen optimiert sie Weinkarten, arbeitet an einem Weinbuch und schreibt freiberuflich Weinkolumnen für diverse Schweizer Zeitschriften und Zeitungen wie die annabelle, 20 Minuten, die Bilanz, die NZZ und den Weinwisser.

 « Wo der Spanier liebt, da muss der Franzose, da muss jeder andere Bewerber zurücktreten. »

- Johann Friedrich von Schiller (1759 – 1805)

Nicht nur was die Liebe anbelangt, stehen die Spanier ihren Mann. Auch was den Weinbau angeht, können sie gut mit der Konkurrenz mithalten. 

Doch zuerst etwas Geschichte. Die Geschichte des Weinbaus in der Rioja reicht mehr als zweitausend Jahre zurück. Keltiberer und Römer, Westgoten, Mauren und Spanier kommen darin vor. Die Keltiberer, die Ureinwohner Spaniens, beherrschten die Kunst, aus Trauben Wein zu keltern. Die Römer, welche das Land im zweiten Jahrhundert vor Christus eroberten taten es ihnen nach; davon zeugen noch heute Keramikreste, Weinkeller und Zisternen in der Rioja Alavesa. Im 5. Jahrhundert floss weniger Wein, denn die Römer wurden von den Westgoten vertrieben, und diese zeigten wenig Sinn für die Freuden des Gaumens. Im 8. Jahrhundert kamen dann die Mauren, welche sich beinahe die gesamte iberische Halbinsel zu untertan machten – und die Religion verbat den Mauren den Genuss von Alkohol. Im 12. Jahrhundert wurde Rioja-Wein dann erstmals erwähnt. Im 13. Jahrhundert pries der Dichter Gonzalo de Berceo den riojanischen Rebensaft in seinen Versen an, und im 15. Jahrhundert eroberten die Spanier den letzten Flecken der Iberischen Halbinsel von den Mauren zurück. Zisterzienser-Mönche pflanzten einiges an Rebstöcken und die Riojanischen Bauern folgten ihrem Beispiel. 

Sehr schnell entwickelte sich der Weinbau zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Region und im 16. Jahrhundert wurde erstmals ausserhalb Spaniens Rioja getrunken – die spanischen Eroberer wollten auch in Südamerika nicht auf ihren geliebten Wein verzichten. 

In Bilbao nahm die Geschichte des Exports des Rioja-Weins seinen Anfang. Mitte des 18. Jahrhundert, 1759 um genau zu sein, machte sich ein Schiff mit rund 1500 Flaschen in Richtung Indien auf. Die Flaschen erreichten das ferne Ziel in einwandfreiem Zustand. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert begann der moderne Weinbau, welcher Ende des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt erlebte: Die Reblausplage zerstörte nahezu überall in Europa die Reben. Des einen Leid, des anderen Freud: durch die Plage in den Nachbarländern gewannen Rioja-Weine zum ersten Mal an internationaler Bedeutung. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand die Reblaus ihren Weg auch in die Reben der Rioja. Eine harte Zeit, doch die Weinbauer bauten – mit neusten Erkenntnissen – alles wieder auf. 

1926 wurde der Consejo Regulador gegründet. Dieser unabhängige Kontrollrat überwacht auch heute noch die Einhaltung der Qualitätskriterien – vom Anbau bis zur Flaschenabfüllung. 1945 erhielt die Rioja den Status eines geschützten Ursprungsgebiets – Denominación de Origen (D.O.) und seit 1991 darf sich das Rioja als D.O.C anerkannt bezeichnen. 

Heute gilt Rioja als Inbegriff des spanischen Rotweins. Diese Stellung konnten die Tropfen insbesondere mit drei ausserordentlich guten Jahrgängen in Folge (1994, 1995, 1996) bestreiten. Das Rioja hat einige einzigartige geografische Vorteile im Vergleich zu anderen Bereichen der Iberischen Halbinsel. Einer dieser Vorteile ist das Klima. Im Sommer ist Spanien – zumindest für mich – beinahe unerträglich heiss. Das Klima im Landesinneren (um Madrid) röstet einen richtig durch. Bei Barcelona blasen zusätzlich noch die heissen Winde aus Afrika. Im Rioja saugen die Winde die Hitze auf. Was nicht nur der Schreibenden, sondern auch den Trauben dienlich ist. 

Doch muss man nicht unbedingt Wein trinken, um das Rioja zu erleben – obwohl schon gesagt sein muss, dass Touristen meist deswegen da sind. Besuche von pittoresken Weingütern, Weinproben und – wer mag – kleinen Wanderungen in den Weinbergen sind wunderbar. Für mich gar zwingend. 

Wer neben den Verkostungen noch Zeit für anderes findet, dem seien die Klöster von San Millán de Suso und Yuso empfohlen, welche beide als die Wiege der spanischen Sprache und von der UNESCO als Weltkulturerbe aufgeführt sind.

Die Täler der Flüsse Najerilla Iregua sind beliebte Ausflugsziele für Fischer. Und wer wie ich ein Kind dabei hat, findet in den umliegenden Parks prähistorische Spuren von Dinosauriern. Shoppen lässt es sich am besten und schönsten in Logroño, der wunderhübschen alten Hauptstadt von La Rioja. Und schliesslich bietet die Gegend bietet sogar eine Ski-Station. Aber ich glaube kaum, dass jemand zum Skifahren nach Spanien fährt.

Das ganze Jahr über finden unzählige gastronomische Feste statt. Es empfiehlt sich, sich hier zu informieren.... 

Und zum Schluss das allerwichtigste: Gönnen Sie sich einen oder zwei oder drei Gläser Rioja. Denn zweifellos ist es der Rioja-Wein, welcher weltweiten Ruhm in diese Gegend gebracht hat. 

Fotos: DER Touristik Suisse AG

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