ROADTRIP DURCH KALIFORNIEN

Unterwegs im Golden State

Autor

Harald Schreiber

Harald Schreiber ist Bergsportler und Reiseenthusiast mit einem Abschluss in Geschichts- und Sprachwissenschaften von der Universität Basel. Beruflich ist er in der Unternehmenskommunikation tätig. Seine Freizeit verbringt Harald Schreiber so oft wie möglich in den Bergen dieser Welt. Je nach Jahreszeit baumeln dabei entweder Ski-, Wander- oder Kletterschuhe von seinem Rucksack. Der sportliche Fokus ermöglicht ihm das Bereisen ferner Orte abseits der ausgetretenen Pfade und dient als verlässlicher Türöffner im Kontakt mit Einheimischen.

« And the road becomes my bride; I have stripped of all but pride, so in her I do confide; And she keeps me satisfied, gives me all I need. »

   - Metallica   

Startpunkt San Francisco

Mit den Händen am Lenkrad, der Sonnenbrille auf der Nase und Metallica im Radio brausen wir auf der kalifornischen Interstate 580 gen Osten. Im Rückspiegel verlieren sich die Ausläufer von San Francisco, wo die Band seit 1982 beheimatet ist. Keine Wolke trübt den makellos blauen Himmel. San Francisco ist auch die Stadt, in der wir eine Stunde zuvor in einer Diskussion mit dem Autovermieter den Kürzeren gezogen haben. Der kleinste Wagen für zwei Personen plus grosse Rucksäcke? Unerhört, viel zu klein! Und dann noch ein Roadtrip durch Nordkalifornien? Kommt nicht in Frage! Während wir nun in unserem neuen Chevrolet Malibu an gelblich vertrockneten Büschen vorbeifahren wissen wir bereits nicht mehr, welches Argument uns schliesslich zum Upgrade bewegt hat. Fact ist: wir haben viel Platz, Kraft unter der Motorhaube und eine Soundanlage, die der Musik gerecht wird. 

Nach vier Tagen des urbanen Vollbads in San Francisco sind wir froh, die Grossstadt hinter uns zu lassen. Dabei ist die Stadt äusserst vielseitig und bietet für jeden Geschmack etwas: obligatorisches Shopping in Downtown, traditionelles Sightseeing in Fisherman’s Wharf, Abendessen und schriller Lifestyle in Castro und alternative Musikbars im Mission District, um nur ein paar zu nennen. Unser Aufenthalt in der Stadt wurde ausserdem durch das gleichzeitige Stattfinden der jährlichen Fleet Week der US Navy inklusive Flugshow der Blue Angels sowie einem Besuch des Präsidenten bereichert. Die offene Strasse bietet nun einen willkommenen Kontrast. 

Ein Paradies für Kletterer

Das Signal des Senders 107.7 «The Bone» wird schwächer, je weiter wir ins Inland vordringen und reisst irgendwann ganz ab. Wir folgen der Strasse vorbei an Modesto und Merced nach Osten. Unser Ziel ist der Yosemite Nationalpark. Während die Vegetation zuerst mit zunehmender Entfernung zur Küste immer trockener und spärlicher wird, gewinnt sie weiter östlich auf der State Route 99 erneut an Vielfalt und Farbe. Karge Ebenen werden zu bewaldeten Hügeln, als wir uns nach einem halben Tag der Sierra Nevada nähern. 

Als sich die Hügel zu Felswänden aufschwingen, die kein Radiosignal mehr passieren lassen, ist der Yosemite Nationalpark nicht mehr weit. Der Park verdankt seine Berühmtheit neben den tiefen Wäldern und spektakulären Wasserfällen vor allem den gigantischen Granitwänden, die das Panorama in alle Himmelsrichtungen dominieren und jährlich etwa 4 Millionen Besucher in ihren Bann ziehen. Insbesondere zwei Wände ragen aus der Masse der steinernen Sehenswürdigkeiten wortwörtlich heraus: El Capitan und Half Dome. Mit Wandhöhen von 600m (Half Dome) bzw. 1000m (El Cap) sorgen die Granitriesen bei Kletterern auf der ganzen Welt für glänzende Augen und feuchte Hände. Während die Kletterer vornehmlich im historischen Zeltlager Camp 4 unterkommen, bietet der Park eine Reihe weiterer Schlafmöglichkeiten vom befestigten Hauszelt für rund 100 Dollar bis hin zum 5-Sterne-Luxus des Ahwahnee Hotels für 500 Dollar pro Nacht. Wer sich nicht schon früh um einen Schlafplatz im Park kümmert, schläft draussen - so wie wir. Auch 20 Minuten ausserhalb des Parks sind die Zimmerpreise gesalzen, dafür kann es aber auch schon mal vorkommen, dass sich ein Whirlpool im Hotelzimmer befindet – direkt neben dem Schild mit der Aufforderung, sparsam mit Wasser umzugehen. 

Eine Zeitreise in Bodie

Wir verlassen den Park über die Big Oak Flat Road und den 3031m hohen Tioga Pass in Richtung Mono Lake. Erneut werden wir von der Abruptheit überrascht, mit der sich hier Vegetation und Landschaft verändern. Kaum verschwindet der Pass im Rückspiegel findet man sich im Great Basin, einer trockenen Wüstenlandschaft wieder. Gleichzeitig entsteht ein Gefühl, in der Zeit zurück gereist zu sein. Dieses wird vor allem durch einen Besuch in der Geisterstadt Bodie verstärkt, wo man sich ohne Revolver und breitkrempigen Hut seltsam deplatziert vorkommt. 

Kontrastprogramm am South Lake Tahoe

Dem Highway 395 nach Norden folgend werden wir schlagartig aus der Westernnostalgie zurück in die Neuzeit befördert, als das Autoradio unseres Chevys unvorbereitet Rockstation 104.5 entdeckt, wo erneut Metallica dominieren. Derart aufgerüttelt und wach treffen wir in South Lake Tahoe ein. Direkt auf der Grenze zu Nevada liegend bietet der Ort ein schizophrenes Bild. Während sich in Nevada ein Grosscasino an das andere reiht, verschwindet die kalifornische Seite der Stadt komplett im Nadelwald. Die Menschen wiederspiegeln diesen Kontrast perfekt. Denn South Lake Tahoe zieht nicht nur Gambler an, sondern übt vor allem auch auf Outdoor-Enthusiasten eine enorme Anziehungskraft aus. Egal ob Ruderer, Läufer, Wanderer, Kletterer, Mountainbiker oder Skifahrer, hier kommt jeder auf seine Kosten.

Von Baumgiganten und rauen Küsten

Das Signal von Rockstation 104.5 wird schwächer, als wir der Route 50 wieder nach Westen folgen. Unser Weg führt uns vorbei an den Apfelfarmen von Placerville und den berühmten Weinbergen von Napa Valley zum gigantischen Redwood Forest an der Pazifikküste. Von dieser ist jedoch vorerst wenig zu sehen, da die Avenue of the Giants zu beiden Seiten von riesigen Mammutbäumen gesäumt wird. Manche der Baumgiganten sind sogar so breit, dass die Strasse als Tunnel durch den Stamm führt. Immer weiter fahren wir durch den dunklen Wald nach Süden, bis auf einmal ohne jegliche Vorankündigung die Bäume zurückweichen und ein atemberaubender Blick auf die raue Pazifikküste frei wird. Hier lädt der pittoreske Küstenort Mendocino, der vor allem Künstler und Hippies anzieht, zum Übernachten und Entspannen ein. Zwischen viktorianischen Häusern und Blueberry Pancakes zum Frühstück besteht jedoch die Gefahr, dass aus einer Nacht schnell mehrere werden. Auffällig ist, wie oft auch kerngesunden Besuchern hier ein bestimmtes, erst seit Kurzem in Kalifornien legal erhältliches Heilkraut angeboten wird. 
 

Wherever I may roam

Unser Roadtrip nähert sich dem Ende und so machen wir uns auf in Richtung Süden. Zuerst vorbei am Van Damme Nationalpark, dann dem Highway 101 entlang über Cloverdale und Berkeley zurück nach San Francisco. Während die Landschaft wieder stetig urbaner wird, findet auch das Autoradio unseres Chevys bereits auf der Höhe von Petaluma wieder 107.7 «The Bone» und so schliessen wir die Rundreise zu den Klängen unserer steten Reisebegleiter von Metallica. 

« Only knowledge will I save, to the game you stay a slave; Rover, wanderer, nomad, vagabond; Call me what you will. »

-Metallica

Weitere Tipps

  • San Francisco: Zeitgeist Bar (alternative Musikbar)

  • South Lake Tahoe: Emerald Bay (Postkartenmotiv und Ausgangspunkt für Wanderungen)

  • Yosemite National Park: Eagle Peak Wanderung (grossartiger Rundumblick inclusive Half Dome und El Cap)

  • Mendocino: Didjeridoo Dreamtime Inn (familiär und sehr gutes Frühstück)

  • Berkeley: The Faculty Club (Geheimtipp auf dem Campus falls wegen eines Sportereignisses alle Hotels besetzt sind) 

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