Herzensangelegenheit Afrika

Vom Reisen, Staunen und Helfen

Reiseexperte

Claudio Nauli

Claudio Nauli hat im Leben zwei Mottos. Motto Nr. 1: «Ich mache nur das, was mir Spass macht». Motto Nr. 2: «Das Leben ist eine Reise». Der Geschäftsführer von Private Safaris hat sich mit Leib und Seele dem afrikanischen Kontinent verschrieben und findet Erfüllung, wenn er gemeinsam mit Frau und Tochter die Welt entdeckt. 

An den Wänden prangen riesige Landkarten des afrikanischen Kontinents; sechs feingeschliffene Holzstühle mit Samtüberzug und Leopardenprint umgeben den Sitzungstisch in Claudio Naulis Büro. Dabei wollte der Geschäftsführer von «Private Safaris» erst gar nichts von Afrika wissen. «Hätte mir jemand vor 15 Jahren gesagt, dass ich mich in diesen Kontinent verlieben werde, ich hätte gesagt‚ du spinnst.» Was ist passiert? 

Nauli war schon sechs Jahre lang als Leiter der Australienabteilung von Kuoni tätig, als ihm sein damaliger Chef anbot, die Firma Private Safaris, damals noch Rotunda Tours, als Geschäftsführer zu übernehmen. Ein Posten mit mehr Verantwortung, einem neuen Aufgabengebiet, vielen Entfaltungsmöglichkeiten. Aber Nauli sagte nein. «Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich für Afrika dieselbe Begeisterung wie für Australien aufbringen würde. Dennoch willigte der gebürtige Churer ein, es sich übers Wochenende zu überlegen. Am drauffolgenden Montag schliesslich sagte er zu; ohne genau zu wissen, was ihn emotional erwartete. Einen Monat später reiste er durch Südafrika und stellte erleichtert fest, dass er sich auf seine Intuition verlassen konnte. «Ich war baff. Einfach nur hin und weg von den wilden Tieren, der Gastfreundschaft der Menschen und der unbeschreiblichen Natur.» Nach seiner Rückkehr bedankte sich Nauli beim Vorgesetzten, dass dieser ihm zur besten Entscheidung seines Berufsleben verholfen hatte. Das war 2003. 

Heute, 13 Jahre später, ist er noch immer froh, dass er den Schritt gewagt hat. «Meine Arbeit und die Reisen erfüllen mich extrem», sagt er. Vor allem aber sei es bereichernd, ein motiviertes Team zu führen, interessierte Kunden zu haben und auf engagierte lokale Mitarbeiter in den Reisezielen zählen zu dürfen. Die Nähe zu Menschen ist ihm wichtig. Auch zu jenen, die im Leben weniger Glück hatten als er. Claudio schreitet zum Aktenschrank und holt einen Stapel Mäppchen hervor. Er legt sie sorgfältig nebeneinander auf den Tisch und packt die Inhalte aus: fünf Schicksale in Form von Zeichnungen, Bildern und Briefen. Es sind die Dossiers seiner Patenkinder, die eine Schule des deutschen Hilfswerks Siyabonga besuchen und die er zusammen mit seinem Team seit 2007 finanziell unterstützt. 

Die Idee dazu war purer Zufall. Wie jedes Jahr fuhr Nauli mit zwei Kolleginnen nach Durban zur Tourismusmesse, um sich zu inspirieren, Hotelverträge auszuhandeln und nach potentiellen neuen Partnern Ausschau zu halten. Auf einem Ausflug nach Pietermaritzburg mit seinem Agenten stand der Besuch des Siyabonga-Bildungszentrums im Dorf Esigodini auf dem Programm. Ein Besuch, der bei ihm sehr viele Emotionen weckte. «Es waren bestimmt über 100 Kinder, die sich in einem Saal versammelt hatten und für uns die südafrikanische Nationalhymne auf Zulu, Afrikaans und Englisch sangen.» Nicht nur die Damen in der Runde, auch er und sein männlicher Reisebegleiter hätten das eine oder andere Tränchen verdrückt. «Die erste Begegnung mit den Kindern war rührend», erzählt Nauli, der selbst eine 14-jährige Tochter hat. 

Ein Mädchen wollte von ihm wissen, aus welchem Land er kommt. Er zeichnete eine Landkarte auf den staubigen Boden und zeigte auf Europa, aber sie sah ihn nur fragend an. Dort, wo Roger Federer herkommt, ergänzte die Lehrerin und auf einmal schien dem Mädchen klar zu sein, welches Land gemeint ist. Nauli lacht. «Dass ich nicht selbst auf diese Erklärung gekommen bin! Federer ist zur Hälfte Südafrikaner, die Leute kennen ihn». Die aufgeweckten, wissbegierigen Kinder eroberten schnell sein Herz und er beschloss, die Schule mit der Übernahme von Patenschaften zu unterstützen. Von den rund 50 Franken, die er im Namen von Private Safaris jedem der fünf Kinder monatlich schickt, kaufen die Siyabonga-Mitarbeitenden vor Ort für sie Essen und Kleidung. Ein kleiner Teil davon geht an die Helfer selbst, die alle aus der Region stammen. 

In der Provinz KwaZulu-Natal lebt eine vorwiegend schwarze Bevölkerung. Die Mehrheit davon in Slums, ohne Zukunftsperspektiven. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 30 Prozent. Was die Apartheid angerichtet hat, sei noch immer deutlich zu sehen, sagt der Manager, auch wenn sich das Land seit Mandela in einem langsamen Wandel befinde. Ein weiteres Problem sei die hohe Aidsrate, die im nördlichen Teil Südafrikas bei fast 60 Prozent liege. Medikamente kann sich hier praktisch niemand leisten; viele Erwachsene sterben früh und hinterlassen Kinder, die als Voll- oder Halbwaisen aufwachsen müssen. Die Siyabonga-Stiftung hat sich das Ziel gesetzt, genau diesen Kindern zu helfen, indem sie ihnen den Zugang zu Bildung ermöglicht und ihre Grundbedürfnisse deckt. Sie werden tagsüber betreut und erhalten Essen und Kleidung — wohnen aber weiterhin bei ihrem Elternteil oder bei Verwandten. Da die Schulen in Südafrika nicht kostenlos und einfach erreichbar sind, können sich viele Menschen Bildung gar nicht leisten. 

Seit seiner ersten Begegnung fährt Nauli jedes Jahr nach Esigodini, um einen Tag mit den Patenkindern zu verbringen. Was für hiesige Teenager selbstverständlich ist, ist es dort nicht, sagt er: Gokartfahren, baden im Meer, shoppen oder essen im Fastfood-Lokal — an diesem Tag unternehmen sie alles, was sich die Patenkinder, die inzwischen zu Jugendlichen herangewachsen sind, sich wünschen. Die Berührungsängste, die sie zu Beginn ihrer Freundschaft noch hatten, haben sie längst über Bord geworfen und freuen sich jedes Mal, wenn sie gemeinsam mit ihren Paten neue Dinge ausprobieren können. Einmal hielten sie unterwegs kurz, um uns das Meer anzusehen. Obwohl sie in der Nähe des Ozeans aufwachsen, haben die meisten Kinder nie die Möglichkeit, hinzufahren. «Die junge Truppe planschte, spritze sich nass und wollten gar nicht mehr weg vom Strand», erzählt der 49-Jährige. 

Claudio Nauli hat auch die Angehörigen der Kinder besucht und sich selber ein Bild der Verhältnisse gemacht, in denen sie leben. Die meisten bewohnen einfache Hütten ohne sanitäre Einrichtungen und hatten früher manchmal mehrere Tage kaum genügend zu Essen. Zugang zu fliessendem Wasser oder Toiletten gibt es meistens nur ausserhalb der Häuser. «Wenn wir runterfliegen nehmen wir oft auch Decken, Spielzeug oder Kleider mit», sagt Nauli. Die Dankbarkeit der Leute sei unbeschreiblich. Was ihn besonders glücklich macht, ist der Fortschritt, den er bei den Kindern erkennen kann. Vor neun Jahren konnten sie noch nicht lesen und schreiben, heute schreiben sie ihm Briefe auf Englisch und erzählen von ihren Zukunftsplänen. Anwältinnen wollen sie werden, oder Ärzte. Ob ihnen dies gelingen wird ist ungewiss. Für Nauli ist es ist bereits ein Riesenerfolg, wenn seine Patenkinder im Berufsleben Fuss fassen können. «Ich kann nicht die Welt retten», sagt er. «Aber wenn ich ein paar Menschen glücklich machen kann, hat es sich bereits gelohnt». 

Fotos: Private Safaris 
Text: Magdalena Ostojic

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