Erlebnisse vom 5. Mai

Nach einer kurzen Nacht verlassen wir Delhi und brechen auf Richtung Kalkutta, in einen Moloch mit 4,5 Millionen Einwohnern im Osten Indiens. Der erste Eindruck: Es dampft, es vibriert, es duftet. Bei gefühlten 40 Grad fahren wir in einem tiefgekühlten Bus ins Zentrum, äh pardon: ins Chaos. «Stau!», heisst es von Jai, «Indien pur halt.» Ein paar Minuten bleiben wir stehen, warum, wissen wir nicht. Bis wir am Strassenrand den Grund entdecken: eine religiöse Zeremonie ist im Gang, nicht auf den Trottoir, nein, mitten auf der Strasse. Es ist eine seltsame Szenerie, die sich uns bietet: Frauen werfen sich auf den Boden, lassen sich mit Eimern voll Wasser und Schläuchen abspritzen. Es ist das Ritual, das auf dem Weg zum Tempel Körper und Geist reinigen soll. Indien, wir sind da! 

Es ist unmöglich ohne Erwartungen in eine Stadt zu reisen, deren Ruf der schlechteste der Welt sein soll. Auf dem Weg nach Kalkutta, das seit 2001 eigentlich Kolkata heisst, lesen wir mit Begeisterung einen «Magazin»-Artikel von Finn Canonica. Sein Antrieb, in diese Ecke der Welt zu reisen, war es, den schlechten Ruf zu widerlegen. Unsere Motivation ist es nun, selber ein paar der unzähligen Mysterien zu entdecken und hautnah zu erleben, welche Faszination diese Stadt ausstrahlt. Nach ein paar Stunden wundern wir uns, warum Kolkata einen zweifelhaften Ruf hat. Wir erleben auf einem Rundgang im Bus und Tram die Nähe zu den Menschen, die auffällige Freundlichkeit der Menschen, in den Strassen, an der Arbeit, auf dem Büchermarkt, im legendären Indian House of Coffee. Es wird Abend in Kolkata, wir sind daran, eindrückliche Impressionen zu verarbeiten. Wir sitzen zusammen bei einem Schlummerbecher im «Oberoi», ein Debriefing sozusagen von Tag 1 in einer Luxusoase mitten in einer aufregenden Stadt. Und wir haben bis jetzt schon so viel gesehen, dass wir uns keine Sorgen machen: Wir haben das Glück, uns mitten auf der spannendsten aller Reisen zu befinden. 

Erlebnisse vom 6. Mai

An wie viele Götter glauben die Hindus? Warum haben sie so viele Hände? Sind Affen wirklich heilig in Indien? Und Schlangen? Und Kühe? Mantras und Magie, Asketen und Asche sowie kunstvolle Tempel. Als Gaben überreichen die Hindus ihren Göttern gigantische Girlanden und Blumenkränze. 

Auf dem heutigen Programm steht der Besuch des über Kolkatas Stadtgrenze hinaus bekannte Blumenmarkt. Wir erleben hier ein Farbenspiel sondergleichen. Der Lärm, das Chaos - einzigartig. Abgase, Schweiss, alle Arten von Currys sowie die Vielfalt an den farbenprächtigen Blüten benebeln unsere Sinne. Unsere Shirts verfärben sich dunkel. Auch unser Schweiss vermischt sich mit den Düften der Umgebung. Wir verlassen diesen einzigartigen und fantastischen Ort mit vielen bleibenden Eindrücken. 

Wir reisen weiter nach Varanasi in der Hoffnung auf die oben erwähnten Fragen noch Antworten zu finden. Und sitzen im Flugzeug (Platz 15A und 15B) und freuen uns auf das, was uns noch bevorsteht. Touchdown und Punkt. Eigentlich hätte dieser Text mit dem letzten Punkt beendet sein sollen. Aber: Das wäre etwas gar voreilig gewesen, weil es noch einen Abend gab und mit ihm ein ausserordentliches Ereignis, das wir euch auf keinen Fall vorenthalten dürfen. Der intensive Duft der Blüten vom Blumenmarkt, die Vielfalt der Farben, all das holt uns hier in Varanasi wieder ein. Wir dürfen als geladene Gäste eine traumhafte Verlobungszeremonie mit viel Tanz, Musik und Blumenpracht miterleben. Alles, was so wunderbar zu unserem Thema passt. Auch hier werden unsere Sinne mit vielen Farben, Musik und glücklichen Menschen verzaubert. Mit diesem Punkt endet der Text nun wirklich - aber keine Angst: Es war nicht der Schlusspunkt des dritten, grandiosen Tages unserer Reise… 

Erlebnisse vom 7. Mai

Würden wir uns an Google halten, müssten wir unseren heutigen Bericht so beginnen: Varanasi, die Stadt am Ganges. Zum Ganges kommen wir noch, das versprechen wir Euch. Heute geht es um die Fassade hinter dem heiligen Fluss. 

Der Tag beginnt mit dem Besuch von Sarnath - wo Buddha im sechsten Jahrhundert vor Christus seine erste Predig hielt. Ein Doktor des Buddhismus versucht uns die Geschichte Buddhas und die Entstehung dieser Philosophie beizubringen. Leider bleibt es beim Versuch, da er bereits so tief im Spirituellen lebt, dass das Essentielle bei uns nicht wirklich ankommt. Trotzdem spüren wir die Kraft, die dieser Ort ausstrahlt. 

Weiter geht die Reise ins Zentrum, wo wir uns entscheiden, die Fahrt mit Rikschas fortzusetzen. Einer der Piloten heisst Bhole Nath (siehe Bild 1), ein 59-jährigerer Mann, der bloss 51 Kilo auf die Waage bringt, aber mit der Kraft eines Tour-de-France-Bergspezialisten in die Pedalen tritt. Nath schwitzt, aber er hat genügend Luft, um uns einen kurzen Einblick in sein Leben zu gewähren. Er ist Vater von vier Kindern, in der Schule ist er nie gewesen, dafür fährt er zielsicher seit 32 Jahren mit seiner Rikscha die Kundschaft durch die hektischen Strassen. Knapp acht Franken verdient er mit seiner Schweiss treibenden Arbeit pro Tag, das reicht gerade einmal, um sich über Wasser zu halten. Und trotzdem sagt Nath: «Ich möchte nie weg aus Varanasi, das ist meine Stadt.» Er lässt sich auch von einem Unfall, den er vor sieben Monaten erlitten hat, nicht aufhalten: «Ich mache weiter, solange ich Kraft habe.»

Später erfahren wir auf einer Terrasse mit atemberaubender Aussicht von Jai Spannendes über den Ganges, arrangierte Hochzeiten und das Kastensystem. Während wir interessiert zuhören, stösst ein indisch bekleideter Westler zu uns. Er macht den Eindruck, als wäre er… ja, genau: high. Aber nichts da! «Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Jeremy und ich führe euch heute durch das unbekannte Varanasi.» Dank unserem Guide Jeremy entdecken wir hinter nichtssagenden Mauern spirituelle und okkulte Plätze, die uns in den Bann ziehen.

Wir verabschieden uns. Aber nur kurz: Morgen geht es um 5 Uhr auf den Ganges. Freut euch auf eine spannende Fortsetzung. 

Erlebnisse vom 8. Mai

Varanasi, die aussergewöhnliche und mystische Stadt. Sterben, um ewig zu leben. Wir schweifen kurz zum gestrigen Abend zurück. Am heiligsten Fluss von Indien, dem Ganges, besteigen wir ein Boot, das uns flussabwärts bringt. Es fällt auf, dass wir die einzigen ausländischen Touristen unter den abertausenden hinduistischen Pilger sind. Wir erleben eine inbrünstige Zeremonie, die uns den Atem stocken lässt. Am anderen Morgen geht es um 5 Uhr erneut zum Ganges. Die Strassen sind im Vergleich zu gestern wie leer gefegt. Uns begleiten Kühe und hungrige Hunde. Dieses Bild verändert sich drastisch, als wir zum Ufer kommen. Am Ganges ist das Leben im Gange. Die Gläubigen versammeln sich zum heiligen Bad und zum Gebet. Begleitet von einer Sithar und einer Tabla-Trommel gleiten wir über die Wellen. Das religiöseste aller Rituale, die Körperverbrennung, findet nicht in einem Krematorium wie bei uns, sondern unterhalb des Tempels des Shivas statt. Es herrscht andächtige Stille auf dem Boot. Wir lassen beim Sonnenaufgang auf uns wirken was wir sehen. Es sind Bilder, die kräftiger sind als jedes Wort. 
 

Erlebnisse vom 9. Mai

Wir haben Bilder von Kolkata im Kopf, Emotionen von Varanasi - und jetzt tauchen wir in Delhi ein, in eine gigantische Stadt mit 18 Millionen Einwohnern, möglicherweise sind es auch weit mehr. Der Markt ist unser erstes Reiseziel, und wir merken sehr schnell, wo wir gelandet sind: Die Düfte von verschiedensten Gewürzen steigen uns in die Nase, der Hals kratzt, die Gruppe niest kollektiv - ein köstliches Bild. Drahtige Rikscha-Fahrer fahren uns durch ein unfassbares Gewühl, vorbei an Läden, in denen Schuhe verkauft werden, Brillen, kulinarische Köstlichkeiten, Autopneus oder Backsteine, vorbei an Baustellen und Händlern, die nur darauf warten, bis mit ihnen um die Ware gefeilscht wird. 

Wir schliessen Bekanntschaft mit der U-Bahn in Delhi, und wir brechen am Nachmittag auf Richtung Jaipur, fünf Stunden soll die Zugfahrt dauern. Es werden sechs daraus, so ist das halt. Und was stört das schon, wenn eine solche Reise zu einem Ereignis wird, selbst wenn die ganze Gruppe in entgegengesetzte Richtung sitzen muss und die Fensterscheiben auch schon bessere, sauberere Zeiten erlebt haben? 

Die Präsentation unserer Reise müssen wir vorbereiten, und ja, wir geben es zu: Der Ehrgeiz hat uns gepackt. Ein paar Tanzschritte müssen eingeübt werden, und es ist, als hätte uns der Himmel Kaushalendra Singh geschickt. Der Inder sitzt gleich hinter uns im Wagen. Wir fragen uns, ob er uns Nachhilfeunterricht erteilen kann. Singh sagt: «Klar!» Das Spektakel geht los, in den Gängen tanzen die Frauen, und als wir in Jaipur ankommen, sind die letzten Zweifel ausgeräumt. Wir sind bereit für den grossen Abschlusstag. 

Fotos: Patrick Zimmerling, Kuoni Meilen
 

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