Entschleunigung à la marocaine

Rundreise im Land der Mosaike

« Wichtig ist, dass man neugierig bleibt und akzeptiert, dass die Dinge anders sind als bei uns. »

- Fritz Näf


Reisender

Fritz Näf

Als Dirigent und ehemaliger Direktor des Konservatoriums Winterthur bereiste Fritz Näf schon die ganze Welt. Privat führte ihn seine letzte Reise nach Marokko, wo er mit seiner Frau die Kontraste des Orients ergründete – zwischen traditioneller Baukunst und zeitgenössischem Motorenlärm.

Fritz Näf ist müde von niemals schlafenden Metropolen. Megacitys wie New York und Singapur, Buenos Aires oder Tokio – alle hat er sie bereist. In der Regel nicht als Tourist, sondern als Dirigent, Pädagoge, Förderer des professionellen Chorgesangs oder Direktor des Konservatoriums Winterthur. Er stand schon auf vielen Konzertbühnen dieser Welt – und ist mit der Musik-Elite per Du. Nun, da er pensioniert ist, reist der 71-Jährige noch immer viel. Allerdings nicht mehr in die grossen Städte auf verschiedenen Kontinenten, sondern lieber zu den ruhigen Orten. Dorthin, wo die Tradition und nicht das Wirtschaftswachstum die Sehenswürdigkeiten hervorgebracht hat. Zum Beispiel nach Marokko. Fast zwei Wochen lang reisten er und seine Frau im nordafrikanischen Land umher. 

Von der Küstenstadt Casablanca nach Rabat, Meknès, Fès und via Atlasgebirge nach Marrakesch. Ein Chauffeur namens Samir und der Historiker Moursou begleiteten das Ehepaar auf ihrer Reise und brachten ihnen ihre Heimat ein Stück näher. «Im Vorfeld haben wir schon viel gelesen, doch das ist nicht dasselbe, wie vor Ort darüber zu erfahren», sagt Fritz Näf. Ihr persönlicher Reiseleiter habe vieles über die politische und soziale Situation im Land zu erzählen gewusst. Er müsse gestehen, dass seine Vorstellungen von Marokko völlig falsch waren. Insbesondere was die Infrastruktur und den Service betrifft. «Die Strassen waren hervorragend – sogar bis in die Wüste», sagt Näf. Und die Hotels hätten sich als ausgesprochen gut erwiesen. 

Entlang der Reiseroute rollten sich Meisterwerke orientalischer Baukunst wie unendliche Teppiche vor ihnen auf. Die Hassan-II-Moschee in Casablanca, deren Minarett 210 Meter in die Höhe ragt; die UNESCO Weltkulturerbestätte Volubilis bei Meknès, wo Ruinen von der einstigen Herrschaft der Römer zeugen – oder der Königspalast in Rabat, der an die Märchen aus 1001 Nacht erinnert. Sein grosses Tor aus Zedernholz ist mit Bronze verkleidet, die marmornen Wände zieren Mosaike und Ornamente. «Die Mosaike waren traumhaft», schwärmt Fritz Näf. Sie gelten als Bestandteil der marokkanischen Volkstradition und zeigen eine besonders eindrückliche Facette des vielfältigen Kunsthandwerks in Marokko. Die kobaltblauen Kacheln, welche Gebäude, Plätze, Böden und nicht zuletzt den Königspalast zieren, werden in Fès hergestellt; oder der blauen Stadt, wie sie deswegen auch genannt wird. Und diese stand beim Ehepaar als nächstes auf dem Programm. Doch so sehr Fritz Näf die Mosaike und Farben faszinierten, so schnell wurde es ihm in der blauen Stadt auch zu bunt. 

In den Souks herumlaufen und Feilschen, darauf seien er und seine Frau nicht erpicht gewesen. Die Medina von Fès besteht aus 9400 Gängen und Gässchen – einige davon sind gerad mal einen halben Meter breit. Zwischen aufgetürmten Gewürzen, Keramiktöpfen, bunten Babouchen und Goldschmuck transportieren Esel die Waren ihrer Besitzer zum Markt; durch das Gewusel von Menschen flitzt das 21. Jahrhundert auf zwei Rädern: «Überall waren Motorroller», erzählt Näf. «Das war schon fast kriminell. Und dann dieses Geknatter!» Ausgerechnet in jener Stadt, die ihren Übernamen der Farbe der Ruhe und Harmonie zu verdanken hat. Als sie der Reiseführer am Abend dann in ein lokales Restaurant brachte, schlossen die Näfs wieder Frieden mit der ältesten Königsstadt Marokkos. Männer mit roten Filzhüten, dem traditionellen Fez, entlockten ihren Ouds orientalische Melodien, Trommelklänge gaben dem Ganzen Struktur. In gedimmtem Licht verköstigten sich die Gäste mit all jenem, was weit über die Landesgrenzen berühmt ist: Lamm-Tajine, Kichererbseneintopf, Auberginen-Cous-Cous. 

Am nächsten Tag sollten die Näfs ihr persönliches Highlight erleben: die Fahrt über das Atlasgebirge bis zur Wüste. Wie ein Säbel trennt das Hochgebirge die trockene Sahara vom mediterranen Klima des Nordwestens und erstreckt sich mit rund 2300 Kilometern über Marokko, Algerien und Tunesien. Fernab vom Rummel der Städte zeigt sich Marokko von seiner lieblichen Seite; mit grünen Wiesen und Zedernwäldern, wohlriechend nach Rosmarin und Thymian. Die Kette der Gegensätze zählt jenseits der Säbelkante ein weiteres Element: sanft gewellte Sandhügel soweit das Auge reicht. Vorbeiziehende Wolken erschaffen mit ihren Schatten eine lebendige Kulisse – die Sonne überzieht jedes Sandkorn mit ihrem Schimmer und verwandelt das staubige Meer in ein paradiesisches Zusammenspiel der Farben. «Wir sind erst auf dem Kamelrücken über die Dünen geschaukelt und dann mit einer Decke die Sandhügel runtergerutscht», erzählt Fritz Näf. Eine ungewohnte Schlittelerfahrung für zwei schneeegewohnte Schweizer. Kaum war die Sonne weg, zeigte die Wüste auch schon ihre Zähne: «Gefroren wie die Schlosshunde haben wir». Wärmer sei es am Abend im Hotel nicht geworden. Die Heizung war ausgefallen. 

Eine Prise Humor, persönliche Begegnungen und Offenheit machen für den pensionierten Dirigenten gelungene Ferien aus. «Wichtig ist, dass man neugierig bleibt und akzeptiert, dass die Dinge anders sind als bei uns». Obwohl Fritz Näf schon die ganze Welt bereist hat, ist sein Reisehunger nicht kleiner geworden; nur anders. Heute sei es ihm wichtiger, in eine Kultur einzutauchen und die Atmosphäre zu spüren. Nicht nur in belebten Souks, sondern auch auf den gewöhnlichen Strassen, in Moscheen und vor allem in der Natur. Wie im Küstenort Essaouira, der letzten Station ihrer Reise. 

Aufgezeichnet von Magdalena Ostojić
Fotos: Fritz Näf

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