Kein Audit gleicht dem nächsten

Von: Pernilla Enkler, Travelife Auditor

Pernilla Enkler ist Mitarbeitende für Kommunikation und Corporate Responsibility bei Apollo Skandinavien, eine der Marken der Kuoni Gruppe. Gemeinsam mit 15 anderen Kuoni- Mitarbeitenden wurde sie als Travelife-Auditorin ausgebildet. In ihrem persönlichen „Audit Report“ schildert sie ihre Erlebnisse und erzählt, wie sie das Engagement von Hotels für Mensch und Umwelt beurteilt.

"Bis jetzt habe ich ungefähr 20 Travelife Audits in Spanien, Ägypten und Thailand durchgeführt. Und jedes Mal habe ich Neues dazugelernt: kein Audit gleicht dem nächsten. Bevor ich mit den Audits begann, absolvierte ich eine zweitägige Ausbildung in London zusammen mit acht anderen Auditoren-Kollegen. Dort ist die Geschäftsstelle des Travelife Sustainability Systems. Zwei Monate später wurde ich von einem hervorragenden und erfahrenen Auditor in die praktische Seite des Travelife Audits auf Mallorca eingeführt. Nachdem ich gemeinsam mit diesem Mentor vier Travelife Audits durchgeführt hatte, nahm ich das erste Audit alleine in Angriff. Vom ersten Moment an, als ich mich als Travelife Auditorin beim Hotel Pil-Lari in Ca’n Pastilla, Mallorca, präsentierte, bis zum heutigen Tag, habe ich viel dazugelernt. Ich habe perfekte Beispiele von Hotels gesehen, welche sehr nachhaltig arbeiten. Andere Hotelmanager versuchen, ihre Nachhaltigkeits-Leistung zu verbessern, obwohl ihnen nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Leider gibt es aber auch diejenigen Hotels, die noch überhaupt kein Verständnis für Nachhaltigkeit haben. Generell ist der Eindruck der Hotels sehr positiv. Bereits zu Beginn des Audits nehmen sich die Hotels Notizen und sind mehr als gewillt, mir vertrauensvoll gegenüber zu treten. Andere versuchen natürlich auch, sich zu rechtfertigen oder geben sogar nur vor zu wissen, was es mit dem Grau- oder Abwasser, mit Bewässerung und Energiesparlampen auf sich hat.

In diesem kurzen Text werde ich versuchen, alle Ihre Fragen zu beantworten; denn ich weiss, verschiedenste Fragen zum Travelife Audit tauchen immer wieder auf. Zum Beispiel: Wie wird ein Audit durchgeführt? Wie lange dauert er? Oder wie wissen wir, dass das Hotel beziehungsweise die Mitarbeitenden die Wahrheit sagen?

Zwei Szenarios sind möglich, wenn ich bei einem Hotel ankomme: Entweder hat das Hotel uns angefragt, den Audit durchzuführen, oder aber wir haben das Hotel selbst dazu eingeladen. Ich beginne ein Audit immer mit einem einleitenden Gespräch beim Hotel-Direktor. Dabei erläutere ich den Prozess, informiere über Kuoni’s Engagement für Corporate Responsibility und erkläre ihr oder ihm, weshalb es für uns wichtig ist, dass auch unsere Partner an der Wertschöpfungskette für eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus arbeiten.

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Nachdem diese Punkte diskutiert wurden, beginnt der Rundgang durch die gesamte Hotelanlage. Im Verlauf des Audits spreche ich mit dem Chef-Ingenieur (weil der oft kein Englisch spricht, brauche ich auch einen Übersetzer) und bitte ihn, mir, falls vorhanden, die Entsalzungsanlage, die Abfall-Sortierungsstelle, die Energieaufbereitungs-Anlagen und die weitere technische Infrastruktur des Betriebs zu zeigen. Während des gesamten Rundgangs stelle ich verschiedene Fragen, so zum Beispiel: Werden Energiesparlampen verwendet? Wie regeln sie die Bewässerung der Gartenanlage? Oder werden die Mitarbeitenden daran erinnert, Wasser zu sparen? So kann ich besser beurteilen, ob sie das, was sie predigen, auch tatsächlich praktizieren.

Natürlich besuche ich nicht nur die technischen Anlagen. Ich bitte auch um einen Einblick in die Küche (um zu sehen, ob Mitarbeitende zum Wasser sparen und zum Trennen des Abfalls angehalten werden), die Wäscherei (um herauszufinden welche Waschmittel verwendet werden und ob die Maschinen auch richtig funktionieren), den Aufbewahrungsraum für trockene Nahrungsmittel (um zu kontrollieren, ob das Hotel in grossen Mengen einkauft) und die Zimmer, um ausfindig zu machen, ob Gäste in die Bestrebungen des Hotels, den Einfluss auf die Umwelt zu minimieren, involviert werden (zum Beispiel indem Gäste die Wahl haben, die Badetücher nicht täglich zu wechseln; oder indem die Hotelbroschüre darauf aufmerksam macht, wie der Gast zum schonenden Umgang mit Naturschönheiten der Region oder zum reduzierten Verbrauch von Wasser und Energie beitragen kann). Gleichzeitig schaue ich in den Zimmern, ob beispielsweise Wasser sparende Toiletten, automatische Schalter zum Ausschalten der Klimaanlage bei geöffnetem Fenster sowie Schlüssel-Kartensysteme zum Sparen von Energie verwendet werden.

Ebenfalls interessant ist es, mit dem Ingenieur darüber zu diskutieren, ob der Wasser- und Energiebedarf über die letzten Jahre zurückgegangen ist. Natürlich frage ich dann auch, ob ich entsprechende Statistiken, Diagramme und Zahlen sehen kann, sodass die Aussagen des Ingenieurs belegt werden.

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Ökologische Themen sind einfacher auszuwerten als soziale Faktoren, vor allem weil es nicht einfach ist, die Meinung verschiedener Mitarbeitender zu erfassen. Es ist schwierig zu sehen, ob Minderjährige in der Küche, im Garten oder bei Renovationen arbeiten oder mithelfen. Aber noch schwieriger ist es zu beurteilen, ob Mitarbeitende fair behandelt werden. Darum beobachte ich, wie das Management mit ihnen umgeht. So erhalte ich einen spontanen Eindruck von der Unternehmenskultur. Wenn ich dann den Personalverantwortlichen treffe, stelle ich ihm weitere Fragen, wie zum Beispiel: Welche „staff goodies“ werden den Mitarbeitenden angeboten? Wird Überzeit bezahlt? Oder bestärken sie ihre Mitarbeitenden darin, einer Gewerkschaft beizutreten? Ich bitte ebenfalls darum, Papiere, Mitarbeitenden-Zertifikate, Belege von Lohnauszahlungen, Fotos von Mitarbeitenden-Events, interne Handbücher und Betriebs-Richtlinien durchsehen zu können.

Bevor ich einen Audit nach zwei bis drei Stunden beende, werfe ich auch noch einen Blick in die Lobby und frage den Receptionisten, welche Aktivitäten er mir anbieten würde, falls ich ein Gast wäre. So sehe ich, ob Gäste über lokale Aktivitäten, kulturelle Ereignisse oder andere Exkursionen informiert werden. Die Antwort zeigt, ob das Hotel Wert darauf legt, dass auch die lokale Bevölkerung vom Tourismus profitiert, oder ob sie versuchen, alles Geld innerhalb ihrer eigenen Tore zu bewahren.

Meine nächste grosse Mission ist auf Kreta, in Griechenland, geplant. Im Mai 2010 möchte ich dort 24 Travelife Audits in zehn Tagen durchführen. Damit werde ich Hotels abdecken, in welchen circa vier Prozent aller Gäste der Kuoni-Gruppe ihre Ferien verbringen. Gemessen am gesamten Passagiervolumen, decken diese Hotels sogar 15 Prozent aller Kuoni-Gäste ab, welche nach Griechenland reisen. Diese Zahlen sprechen doch für sich, oder nicht?"