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Reisebericht: Mit der Silver Discoverer auf Expedition im Westpazifik

Die Inselgebiete Mikronesien und Melanesien bergen eine riesige kulturelle Vielfalt. Auf einer Expedition in der Südsee gewinnen Besucher Einblick in das Leben der vergessenen Inselstaaten. 

von Christian Walter

Ausgangspunkt unserer Expeditionsreise vom westlichsten Ende Mikronesiens ans östlichste Ende Melanesiens ist Koror, die frühere Hauptstadt des pazifischen Inselstaates Palau und noch immer das kommerzielle Zentrum des Landes. Hier kommen wir im Etpison Museum erstmals in Kontakt mit den traditionellen Zahlungsmitteln der Pazifikinseln: Muschelgeld, Mattengeld, Federgeld, Schnurgeld, Schildpattgeld, Keramikgeld und das berühmte yapesische Steingeld «Rai» lassen uns erahnen, wie vielfältig die alten Kulturen sind, die im Westpazifik noch heute gelebt werden. In Yap, das nebst dem imposanten Steingeld vor allem für seine traditionellen Männerhäuser bekannt ist, können wir uns kurz darauf grad selbst davon überzeugen, dass der US-Dollar heute zwar auf vielen Inseln offizielles Zahlungsmittel ist, die riesigen Steinmünzen mit Loch von den Inselbewohnern jedoch nach wie vor eingesetzt werden.

Auf Zodiac-Schlauchbooten fahren wir etwas später durch dichte Mangrovenwälder, vorbei an majestätisch dahinschwebenden Manta-Rochen zu den Murik-Seen an der Nordküste Papua Neuguineas und zum Dorf Karau. Hier erleben wir, wie sich die Bewohner der umliegenden Dorfschaften in einem Singsing mit Musik bekämpfen: Wer hat die farbenfrohesten Kostüme, wer den mitreissendsten Rhythmus und wer die meisten Zuschauer? Wir wissen vor lauter fröhlicher Menschen gar nicht, wohin wir zuerst blicken, welches Motiv wir zuerst aufnehmen sollen. Und dann sind da auch noch die vielen handgeschnitzten oder selbstgeflochtenen Souvenirs, denen wir nicht widerstehen können. Farbenfroh und ein Schauspiel der besonderen Art ist auch das Theaterspiel, das uns in Kopar direkt an der Mündung des Sepiks, des längsten Flusses Neuguineas, geboten wird. Fast noch mehr Spass als das Theaterspiel macht uns aber der Blick auf die einheimischen Zuschauer, die sich mit uns am Schauspiel ergötzen.

Eines unserer nächsten Ziele ist Madang, der Verwaltungssitz von Neuguinea. Die moderne, pulsierende Stadt galt einst als «die Perle der Südsee». Heute weisen nur noch die grosszügig angelegten Alleen und der direkt neben dem Markt gelegene Friedhof auf die deutsche Vergangenheit hin. Wahrzeichen der ehemals Friedrich- Wilhelms-Hafen genannten Stadt ist inzwischen ihr kerzen- oder fackelförmiger Leuchtturm, der zugleich auch Mahnmal für die «Coastwatcher» ist. So wurden im Zweiten Weltkrieg die Freiwilligen bezeichnet, die hier hinter den Linien der Japaner Truppenbewegungen ausspionierten und die so gewonnenen Informationen an die alliierten Streitkräfte weiter im Süden durchgaben. Im Stadtzentrum begegnen wir einer anderen Art von Coastwatchern: In den Bäumen hängen Tausende von Flughunden, die abends plötzlich aktiv werden und in grossen Gruppen den Himmel über Madang und der Küste verdunkeln. Ein Naturspektakel der besonderen Art! Nur schade, dass die Flughunde offenbar recht gut schmecken und deshalb auch gerne als Hot-Dog-Variante auf dem Markt oder auf dem Esstisch der Einheimischen enden.

Tablets anstatt Kugelschreiber Eine der kleinsten Inseln unserer Reise besuchen wir in den Salomonen: Kennedy Island – berühmt durch Präsident Kennedy, der hier während des Zweiten Weltkrie- ges nach Untergang seines Patrouillenbootes ausharren musste, bevor er und seine Mannschaft gerettet werden konnten. Ein übersichtliches Inselchen, in kurzer Zeit zu umrunden, perfekt zum Schwimmen und Schnorcheln. Natur pur, würde der Gesang der hier zahlreich heimischen Vögel nicht durch die Reggaemusik aus der Boom-Box des Inselbesitzers übertönt. Auch Gizo, die kleine Hauptstadt der Western Province, ist voller Kontraste: Banken und Bottleshops, hierher umgesiedelte Mikronesier und einheimische Rastafari, ein Strassenmarkt mit Bingo- Spielern, ein Büro der EU und japanische Wracktaucher. Dabei sind nicht nur die Wracks tauchenswert, sondern es wurden mehrere Bereiche und umliegende Inseln aufgrund ihres Korallen- und Fischreichtums zu den Gizo Marine Conservation Areas ernannt. WWF sei Dank. Die moderne Gegenwart der Inseln überrascht uns immer wieder mit unerwarteten Aspekten: So treffen wir auf einen Hamburger Aussteiger, der nach der Heirat mit der lokalen Häuptlingstochter versucht, den europäischen Einfluss auf «seiner » Insel zu minimieren, Heiligabend aber dennoch mit Weihnachtsbaum und Geschenken feiert. In Ghupuna, dem Hauptort von Santa Ana, leben noch immer Nachfahren des deutschen Abenteurers Heinrich Küper, im nahe gelegenen See soll ein Krokodil schwimmen und in Natagera besichtigen wir zwei Männerhäuser, in denen die Knochen berühmter Vorfahren in Fisch- oder Bootssärgen aufbewahrt werden. Und kurz darauf bittet uns der Direktor der Schule, anstelle von Heften und Kugelschreibern das nächste Mal doch lieber Tablets für die Schüler mitzubringen.

Auf unserer Reise versuchen wir tagtäglich, zwischen Tradition und Moderne eine Brücke zu schlagen. Wir kommentieren Musik und Tänze und schauen uns die lokale Variante von «Raub der Sabinerinnen » an. Folklore, die früher nur für hochrangige Einheimische zu speziellen Anlässen aufgeführt wurde, bekommen heute auf dem Sportplatz vor allem die fremden Besucher – unter freundlicher Duldung einheimischer Zuschauer – zu sehen. Und auch die berühmten Pan- Pipe-Bands gehen mit dem Fortschritt: Ihre Flöten, vormals nur aus Bambus, sind heute vorwiegend aus PVC-Rohren gefertigt. Doch eines ist klar: Wer einmal die «Schöne Maid» in Panflötenversion gehört hat, für den lebt die Südsee noch lange weiter.

 

 

 

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