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Die vergessen Inseln des Westpazifiks

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23-tägige Expeditions-Kreuzfahrt

  • Papua Neuguinea – «Die Perle der Südsee»
  • Yap, Aki und andere Naturvölker
  • Unterwasserparadies: Tauchen und Schnorcheln inbegriffen
  • Trauminsel - Fiji
  • Alles inklusive an Bord der Silver Discoverer
  • Garantierte Abfahrt
  • Kuoni Reiseleitung ab/bis Schweiz

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Route

Reisebericht von Christian Walter

In der Schweiz als Sohn deutscher Eltern geboren, ging Christian in Deutschland und Chile zur Schule. Nach einem Besuch der Osterinsel im Jahre 1975 beantragte er ein Forschungsvisum für die Insel und wohnt seit 1976 auf ihr.

Seit 1985 begleitet er Expeditionskreuzfahrtschiffe in der Südsee, Arktis und Antarktis als Lektor oder Expeditionsleiter. Seine Lieblingsthemen sind die europäischen Entdeckungsfahrten und Forschungsreisen des 16.-18.Jahrhunderts, sowie die Kultur und Kunst im Pazifik.

Von Palau bis Fidschi

Unsere Reise begann am westlichsten Ende Mikronesiens und sollte am östlichsten Ende Melanesien aufhören. Diese zwei grossen Kulturkreise der Südsee, die im 19.Jahrhundert voneinander abgetrennt wurden, bergen eine solche Vielfalt an Völkern und Sprachen in den fünf Ländern, die wir besuchen wollten, dass wir allein zwölf verschiedene Sprachen in 16 Tagen beherrschen müssten.

Koror, Ausgangspunkt unserer Reise und immer noch das kommerzielle Zentrum des Landes, zeigte in dem privaten Etpison Museum recht ungewöhnliche Stücke: die unterschiedlichsten Arten von „Traditionellem Geld“ des Westpazifiks. Hier konnte man Muschelgeld, Mattengeld, Federgeld, Schnurgeld, Schildpattgeld, Keramikgeld und natürlich das berühmtes yapesische Steingeld „Rai“ sehen. Das meiste des Yap-Steingeldes stammt nämlich aus Palau! Manche der Varianten an „Geld“ bekamen wir auf der Reise noch zu sehen.

Ein Grossteil der Besucher kommt aber nach Palau, um die Unterwasserwelt und die „Rock Islands“ (=Felseninseln) zu erleben. Durch Erdbeben und Meeresspiegelveränderung ist aus einem ehemaligen Riff eine Vielzahl von kleinen und grossen Inseln im Süden Korors geworden. So viele und so ineinander und miteinander verschlungen, dass sie ein wahres Labyrinth bilden.

Wer nicht in dem See Aim Malik schwimmen oder schnorcheln mochte –„bitte ohne Flossen, um die zu tausenden vorkommenden Quallen nicht zu verletzen“- aber trotzdem die Tiere einmal aus der Nähe fotografieren wollte, der besuchte einfach das Aquarium.

Wir sollten ja noch fast ein dutzend mal die Gelegenheit haben, zu tauchen, zu schnorcheln oder zu schwimmen, aber hier konnten die ersten Eindrücke der Vielfalt an Unterwasserlebewesen mitgenommen werden.

Über Yap, mit seinem traditionellen Leben, seinen farbenfrohen Stocktänzen, den restaurierten Männerhäusern mit ihrem Steingeld, Mangroven und Manta-Rochen, ging es an die Nordküste Papua Neuguineas zu den Murik Seen. Sie sind versumpfte Überreste des meandernden Sepiks und inzwischen nicht mehr an ihn angeschlossen. Eine längere Zodiacfahrt zu der Öffnung der Seen, an Mangrovenwäldern und Sümpfen vorbei, führte zum Dorf Karau. Hier hatten sich Bewohner der umliegenden Dorfschaften versammelt, um in einem Singsing gegeneinander anzutreten und sich mit Musik zu bekämpfen: wer hat die farbenfrohesten Kostüme, wer den mitgehendsten Rhythmus, und wer die meisten Zuschauer? Als Besucher weiss man/frau gar nicht, wohin zuerst blicken, welches Motiv zuerst aufzunehmen– und dann waren da ja noch die vielen handgeschnitzten oder selbstgeflochtenen Souvenirs (wir mussten zwei Zodiacs zusammenbinden, um die erworbenen Schnitzereien -zwei riesige Hauspfosten- an Bord bringen zu können).

Direkt an der Mündung des Sepiks gelegen, bot das Dorf Kopar neben seinem überaus farbenfrohen Tanz auch ein Schauspiel der ganz besonderen Art: ein Theaterspiel in Pidgin, einer der drei Landessprachen PNGs. Es machte fast mehr Spass, den einheimischen Zuschauern zuzusehen wie sie sich an dem Schauspiel ergötzen als dem Theaterspiel selbst.

Dass Madang als Verwaltungssitz von Neuguinea einst „Die Perle der Südsee“ genannt wurde, ist heute schwer nachzuvollziehen. Die grosszügig angelegten Alleen und der direkt neben dem Markt gelegene Friedhof sind das Einzige, was noch auf die deutsche Vergangenheit hinweist.

Das Wahrzeichen Madangs ist inzwischen sein kerzen- oder fackelförmiger Leuchtturm, zugleich Mahnmal für die sogenannten „Coastwatcher“ (Freiwillige, die im Zweiten Weltkrieg hinter den Linien der Japaner Truppenbewegungen ausspionierten und diese Informationen an die Aliierten Streitkräfte weiter im Süden weiterleiteten).

Viele der im Zentrum stehenden alten Bäume beherbergten hunderte, ja tausende von Flughunden, die tagsüber in den Bäumen hingen, abends ihre Aktivitäten aufnahmen und dann in grossen Gruppen den Himmel über Madang noch mehr verdunkelten. Leider sollen Flughunde recht gut schmecken -diese Variante von Hot Dog war sogar auf dem Markt zu erstehen- und sie sind ein gerngesehener Gast auf dem Essenstisch der Einheimischen.

In den Salomonen besuchten wir eine der kleinsten Inseln unserer Reise: Kennedy Island –berühmt durch Präsident Kennedy, der hier während des 2.Weltkrieges nach Untergang seines Patrouillenbootes ausharren musste, bevor er und seine Mannschaft gerettet werden konnten. Ein übersichtliches kleines Inselchen, das man leicht umgehen konnte, auf dem Vogelstimmen gehört und die dazugehörigen Körper gesehen werden konnten, um die herum Schwimmen und Schnorcheln einfach war –bis der heutige Besitzer sich entschloss, daraus eine Goldgrube zu machen. Er liess eine Hütte errichten, um Getränke und Souvenirs verkaufen zu können und brachte eine Boom-Box mit, um in der Einsamkeit Reggae zu hören.

Gizo Markt

Und so war auch Gizo, die kleine Hauptstadt der Western Province, eine Mischung der verschiedensten Dinge: Banken und Bottleshops, hierher umgesiedelte Mikronesier und einheimische Rastafari, einem Strassenmarkt mit Bingo Spielern, einem Büro der EU und japanischen Wracktauchern. Dabei sind nicht nur die Wracks tauchenswert- es wurden mehrere Bereiche und umliegende Inseln aufgrund ihres Korallen- und Fischreichtums zu den Gizo Marine Conservation Areas ernannt.

Und so barg die moderne Geschichte mancher Insel unerwartete Aspekte: so hatte ein Hamburger Aussteiger nach Vermählung mit der lokalen Häuptlingstochter versucht, den europäischen Einfluss auf „seiner“ Insel zu minimieren, feierte aber Heiligabend mit Weihnachtsbaum und Geschenken. Die  genau zwischen den drei Ortschaften gelegene Inselschule sollte später den Namen des zu Forschungszwecken gekommenen österreichischen Wissenschaftlers erhalten, der der Familie des inzwischen als wichtigstem Händler und lokalem Häuptling agierenden Aussteigers bei einem Krankheitsfall half.

In Ghupuna, dem Hauptort von Santa Ana, lebten immer noch Nachfahren von Heinrich Küper; im nahegelegenen See soll ein Krokodil schwimmen, und der entfernteste Ort Natagera hatte zwei Männerhäuser, in denen die Knochen berühmter Vorfahren in Fisch- oder Bootssärgen aufbewahrt wurden. Frauen durften zwar in die Häuser blicken, der Zutritt war ihnen aber verboten- und der Direktor der Schule wollte anstelle von Heften und Kugelschreibern das nächste Mal doch lieber Tablets als Mitbringsel für die Schüler.

So versuchten wir, Brücken zu schlagen zwischen Tradition und Moderne, kommentierten Musik und Tänze und schauten uns die lokale Variante von „Raub der Sabinerinnen“ an.

Folklore, die vormals nur vor hochrangigen Einheimischen zu speziellen Anlässen aufgeführt wurde, wird heute auf dem Sportplatz vor fremden Besuchern unter freundlicher Duldung einheimischer Zuschauer mit ihren Kindern gezeigt -und wir liessen uns begeistern von der Freundlichkeit und dem Einfallsreichtum der Inselbewohner.

Die berühmten Pan-Pipe-Bands (nahezu ein Markenzeichen für die Salomonen) gingen auch mit dem Fortschritt: für ihre Flöten, vormals nur aus Bambus, werden heute vorwiegend PVC-Rohre genutzt. Aber wer einmal „Schöne Maid“ in dieser Version gehört hat, für den lebt die Südsee noch lange weiter….